Uncategorized

01.12.2016·Patienteninformation Begleitschreiben zum Heil- und Kostenplan: Welche Inhalte sind empfehlenswert?

·Patienteninformation

Begleitschreiben zum Heil- und Kostenplan: Welche Inhalte sind empfehlenswert?

| In diesem Beitrag stellt die PI-Redaktion das Muster für ein ausführliches Informationsschreiben zu einer Implantation bei einem Kassenpatienten vor. Es enthält Informationen zur Diagnose, zum Therapieziel, zum Therapieverlauf, zu den Risiken, zur Implantation, zur Freilegung, zu den Kosten und zur Kooperation mit dem Hauszahnarzt. Dabei stellt sich die Frage, ob der Aufwand den Nutzen rechtfertigt. |

Ist ein ausführliches Begleitschreiben sinnvoll?

Aus Patientensicht ist ein individuelles Begleitschreiben sinnvoll. Allerdings muss man sich fragen, ob der Aufwand für die Praxis in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen steht, wenn jedes Begleitschreiben an vielen Stellen individualisiert werden muss. Zudem stellt sich die Frage, ob die einzelnen Punkte juristisch einwandfrei und vollständig enthalten sind.

 

Vorgefertigte Aufklärungs- und Informationsschreiben können bei verschiedenen Verlagen bestellt werden. Es bleibt jedoch der Entscheidung des einzelnen Implantologen überlassen, welche Form, welche Inhalte und welchen Umfang ein derartiges Schriftstück enthalten soll.

 

  • Musterschreiben

Sehr geehrte/r [Name Patient],

 

Sie erhalten die Planung für eine Versorgung mit einem Zahnimplantat nach der Entfernung von Zahn 25.

 

Diagnose

Schaltlücke 25; Parodontitis marginalis profunda

 

Therapieziel

Der Ersatz des Zahns 25 (links oben der zweite kleine Backenzahn) kann durch konventionelle prothetische Maßnahmen erfolgen. Dazu müssen jedoch die nicht überkronungsbedürftigen Zähne links und rechts von Zahn 25 in ihrer Form zur Aufnahme einer Zahnbrücke beschliffen werden. Ihre beiden Nachbarzähne sind aufgrund einer endodontischen Behandlung vermindert belastbar, daher ist die Lebenserwartung dieser Zähne mit dem zusätzlichen Abtrag von Zahnsubstanz herabgesetzt.

 

Festsitzender Zahnersatz kann auch ohne Beteiligung der beiden Nachbarzähne mit einer Krone auf einem Implantat nach dem Entfernen von Zahn 25 erreicht werden. Der Knochen in der Region 25 weist keine ausreichende Breite zur Aufnahme eines Implantats auf. Daher ist bei einer Implantation die kieferhöhlenseitige Anlagerung eines künstlich hergestellten Knochenersatzmaterials notwendig. Ob diese Maßnahme wirklich nötig ist, zeigt sich erst bei dem operativen Eingriff. Die noch nicht definitiv absehbaren Leistungen sind in Ihrem Therapieplan gekennzeichnet.

 

Für Ihre Behandlung ist ein Implantat der Firma [Name] vorgesehen. Die genaue Typenbezeichnung mit Länge, Durchmesser und Beschaffenheit werde ich Ihrem Hauszahnarzt schriftlich mitteilen. Sie erhalten von mir nach der Nahtentfernung einen Implantatpass, in dem alle relevanten Daten zum Implantat eingetragen sind. Bitte händigen Sie diesen ihrem Hauszahnarzt aus, damit dort auch die Daten vom Implantataufbau notiert werden.

Therapieverlauf

Nach der Entfernung des Zahns 25 ist eine Abheilung über zwölf Wochen erforderlich. Bei Ihnen besteht eine Parodontitis. Diese Zahnbetterkrankung kann auch auf Implantate übergreifen. Sie muss daher vor der Implantation bei Ihrem Hauszahnarzt erfolgreich behandelt worden sein.

 

Risiken

Durch die Untersuchung und die zweidimensionale Röntgenaufnahme können nicht alle Ebenen des Knochens beurteilt werden. In seltenen Fällen trifft man während der Operation auf Knochenverhältnisse, die keine Implantation erlauben. Die Operation muss dann abgebrochen werden.

 

Jede Operation – insbesondere im Bereich der Mundhöhle – kann eine Wundeiterung zur Folge haben. Die Einheilung des Implantats kann unter diesen Bedingungen ausbleiben. Auch kann das Implantat nach prothetischer Belastung – z. B. durch Überlastung des Knochenlagers oder durch eine Entzündungsreaktion – verloren gehen. Nach Eingriffen im seitlichen Oberkiefer kommt es in seltenen Fällen zu einer Kieferhöhlenentzündung, die meist durch eine antibiotische Behandlung ausheilt. Sehr selten ist ein zusätzlicher operativer Eingriff notwendig. Insbesondere bei engstehenden Nachbarzähnen ist eine Beschädigung der Wurzel möglich.

 

Die folgenden Risiken werden bei ehemaligen und aktuellen Rauchern drastisch erhöht:

 

  • Einheilung von Implantaten, Knochen, Knochenersatzmaterialien
  • Auftreten von Wundinfektionen
  • Entstehung von Infektionen um Implantate. Dieses Risiko ist bei früheren Infektionen des Zahnhalteapparats (Parodontitis) nochmals gesteigert.
  • Fortschreiten von Infektionen um Implantate

 

Bei Rauchern liegen die wesentlichen Risiken nicht in meinem Verantwortungsbereich.

 

Implantation

Bitte lassen Sie einige Tage vor dem Eingriff eine professionelle Zahnreinigung durchführen. Damit werden einheilungsgefährdende Keime in der Wunde deutlich vermindert. Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung ausgeführt werden. Nach einem Eingriff müssen Sie für etwa eine Woche mit einer sichtbaren Gesichtsschwellung und eventuell auch einem Bluterguss rechnen. Um einen eventuellen Wundinfekt behandeln zu können, sollten Sie während der drei Folgewochen keine Reisen planen und nach der Implantation für zwei bis drei Tage weiche Kost einnehmen. Die Nähte werden nach sieben bis zehn Tagen entfernt. Das Implantat heilt in den folgenden sechs Monaten unter der Schleimhaut in den Kieferknochen ein.

 

Freilegung

Nach erneuter örtlicher Betäubung wird die Schleimhaut über dem Implantat wiedereröffnet und eine kleine Abdeckschraube gegen einen Schleimhautformer ausgewechselt. Dieser soll das rosafarbene Weichgewebe um das Implantat für die spätere Kronengestaltung vorbereiten. Die Nähte werden nach sieben bis zehn Tagen entfernt, anschließend kann die prothetische Versorgung bei Ihrem Hauszahnarzt erfolgen. Bitte vereinbaren Sie eine Woche nach der Freilegung dort Termine für die einzelnen Arbeitsschritte zur Herstellung der Implantatkrone.

 

Implantat-Prophylaxe

Nach der prothetischen Versorgung mit einer Implantatkrone sind Kontrollen nach drei, sechs und zwölf Monaten sinnvoll. Eine unzureichende Mundhygiene kann dazu führen, dass sich eine fortgeschrittene Entzündung durch bakterielle Beläge um das Implantat herum ausbreitet, ohne dass Sie als Patient etwas davon merken. Die Periimplantitis – die Entzündung mit Knochenverlust um das Implantat – ist vergleichbar mit einer Parodontitis.

 

Beide Erkrankungen werden von denselben Bakterien ausgelöst. Dadurch wird eine nicht behandelte Parodontitis auch zur Gefahr für ein Implantat. Bei der Periimplantitis kommt es – genauso wie bei der Parodontitis – zu einem Abbau des Kieferknochens. Das Implantat verliert seine Verankerung und lockert sich.

Die professionelle Entfernung der bakteriellen Beläge auf der Implantatoberfläche ist die Grundlage jeder Behandlung. Dabei sollte sowohl regelmäßig gereinigt als auch der aktuelle Zustand des Kieferknochens untersucht und dokumentiert werden. Dazu werden Sie von Ihrem Zahnarzt und dessen geschultem Personal über die Anwendung bestimmter Hilfsmittel zur Reinigung von Implantaten informiert. Im Rahmen moderner Prophylaxe-Konzepte wird für jeden Patienten ein persönlicher Zahn- und /oder Implantatpflegeplan auf Basis des individuellen Parodontitis- und Karies-Risikos entwickelt. Erst nach eingehender Untersuchung und Bewertung des aktuellen Zustands von Zähnen und Zahnfleisch entscheiden sich Art und Umfang der Behandlung.

 

Das gemeinsame Ziel von mir und Ihrem Hauszahnarzt ist es, Risiken rechtzeitig zu erkennen, Krankheiten zu vermeiden und Zahnersatz möglichst lange zu behalten. Somit können umfangreiche Therapien entfallen und das Implantat mit Krone lange erhalten werden.

 

Kosten

Die Leistungen für prophylaktische Maßnahmen bei Erwachsenen werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen. Damit Sie einen Einblick in die Leistungsstrukturen erhalten, haben wir folgende Information für Sie vorbereitet: Die Kosten für eine Implantat-Untersuchung, kurze Beratung und Entfernung von Zahnstein am Implantat betragen rund 25 Euro. Wird der Zahnstein als zweite Leistung im Kalenderjahr auch bei Ihren Zähnen entfernt, so entstehen Leistungen von rund 70 Euro. Alle ein bis vier Jahre ist eine Röntgenkontrolle der Knochensituation um das Implantat erforderlich. Je nach Art der Röntgenaufnahme rechnen Sie mit rund 5 bis 40 Euro. Eine professionelle Zahnreinigung aller Zähne und Implantate inklusive Mundhygienekontrolle liegt bei rund 120 Euro. Ihr Hauszahnarzt oder wir informieren Sie – je nach Befund und Diagnose – über die individuellen Kosten.

 

Wirtschaftliche Aspekte

Zu meiner Entlastung habe ich die [Name Rechenzentrum] mit der Rechnungserstellung beauftragt. Dieses Rechenzentrum ermöglicht eine unkomplizierte Teilzahlung. Nähere Informationen erhalten Sie in meiner Praxis oder im Internet unter [Angabe Internetadresse]. Bitte erfragen Sie bei Ihrem Hauszahnarzt die Kosten der prothetischen Versorgung. Eine Kopie des chirurgischen Heil- und Kostenplans wird direkt an Ihren Hauszahnarzt versendet. Die Kosten der chirurgischen Behandlung werden nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezuschusst. Bitte informieren Sie mich, wenn sich der Behandlungsplan bei Ihrem Hauszahnarzt ändert. Sie erhalten dann eine angepasste Version meiner chirurgischen Planung.

 

Fragen beantworte ich Ihnen gern telefonisch, per E-Mail oder in einem weiteren Gespräch. Wenn Sie mein Angebot annehmen, vereinbaren Sie bitte einen Termin und bringen alle Behandlungsunterlagen unterschrieben mit.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Einverständniserklärung

Ich bin von [Name Implantologe] über den Sinn, den Ablauf und die Alternativen zur operativen Behandlung in einer mir verständlichen Form informiert worden. Zudem erhielt ich die Möglichkeit, alle mich zusätzlich interessierenden Fragen im Zusammenhang zur operativen Behandlung und zu eventuellen weiteren Risiken zu stellen. Ich habe keine weiteren Fragen. Mit der oben beschriebenen operativen Behandlung erkläre ich mich einverstanden.

 

___________________________________________________________________________________

Datum, Ort Unterschrift [Name Implantologe]

 

___________________________________________________________________________________

Datum, Ort Unterschrift [Name Patient]

 

Weiterführender Hinweis

  • Dieses Musterschreiben können Sie auf der PI-Website (pi.iww.de) im Download-Bereich unter der Nr. 44406809 aufrufen und in Ihrer Praxis verwenden.