08.04.2015·Zahnmedizin Implantate: Es gibt keine Altersgrenze – doch sind sie auch für Ältere und Multimorbide geeignet?

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Implantate: Es gibt keine Altersgrenze – doch sind sie auch für Ältere und Multimorbide geeignet?

von Wolfgang Schmid, Schriftleiter „Zahnmedizin Report“, Berlin

| Bei richtiger Indikationsstellung können Implantatversorgungen insbesondere beim zahnlosen Patienten die funktionellen, psychologischen und psychosozialen Beeinträchtigungen des Zahnverlusts mildern und die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität bis ins hohe Alter signifikant erhöhen. Matthias Kern (Kiel) und Frauke Müller (Genf) fassten auf dem 28. Kongress der DGI in Düsseldorf die aktuellen Erkenntnisse zusammen. |

 

Anatomisch ungünstige Verhältnisse für Verankerung einer Totalprothese

Trotz aller Erfolge in der Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen ist immer noch ein hoher Anteil der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland in einem oder beiden Kiefern zahnlos. Dieser Lebensabschnitt ist häufig bereits von Alterserscheinungen und Multimorbidität gekennzeichnet. Bei hohem Medikamentenkonsum steigt die Wahrscheinlichkeit einer Mundtrockenheit, die neben Sprach-, Kau- und Schluckproblemen auch die Prothesenretention vermindert. Durch die Atrophie der Kieferkämme liegen besonders im Unterkiefer oft anatomisch ungünstige Verhältnisse für die Verankerung einer Totalprothese vor. Die im Alter nachlassende muskuläre Koordinationsfähigkeit erschwert zudem die muskuläre Kontrolle einer Totalprothese.

 

Deutliche Vorteile einer implantatgetragenen Deckprothese

Vor allem im zahnlosen Unterkiefer sind der Halt und die Funktion von Totalprothesen häufig unbefriedigend und können die Lebensqualität der Betroffenen und deren soziale Interaktion mit anderen Menschen erheblich beeinträchtigen. Schon einige wenige Implantate können bei zahnlosen Patienten den Prothesenhalt und die Gesamtfunktion einer Totalprothese deutlich verbessern. Die implantatgetragene Deckprothese kann die Atrophie des periimplantären Knochens verlangsamen, die Kaueffizienz steigern und indirekt einen positiven Einfluss auf die Ernährung haben.

 

Versorgung mit Hybridprothesen bei älteren Patienten den Vorzug geben

Während im zahnlosen Unterkiefer die Versorgung mit ein bis zwei Implantaten zur Verankerung einer Deckprothese als Minimaltherapie angesehen wird, werden im Oberkiefer mindestens vier Implantate benötigt, fasst Prof. Dr. Matthias Kern, Christian-Albrechts-Universität Kiel, die aktuelle Lage zusammen. Neben einfachen hybridprothetischen Verankerungselementen wie Locator®– und Druckknopfankern können aufwendigere Steg- und Doppelkronenversorgungen zur Anwendung kommen. Festsitzende Versorgungen werden bevorzugt, wenn der Patient dies wünscht und bei einer ausreichendenImplantatzahl die Platzverhältnisse günstig sind. Neben finanziellen Überlegungen sollte aber immer auch die Reinigung des implantatgestützten Zahnersatzes bedacht werden. Daher ist im Allgemeinen beim älteren Patienten Versorgung mit Hybridprothesen der Vorzug zu geben, erläutert Prof. Dr. Frauke Müller, Abteilung für Gerodontologie und Prothetik der Universität Genf.

 

Quellen

  • Kern M. Implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Patienten
  • Müller F. Implantologische Konzepte beim älteren Patienten
  • beide: 28. Kongress der DGI, Düsseldorf, 27.-29.11.2014

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