01.02.2016·Zahnmedizin Klinische Erfahrungen mit Sofortimplantation und Sofortbelastung

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Klinische Erfahrungen mit Sofortimplantation und Sofortbelastung

von Wolfgang Schmid, Schriftleiter „ZahnmedizinReport“, Berlin

| Die Sofortimplantation mit und ohne Sofortbelastung zählt heute zu den bestens dokumentierten Sparten der zahnärztlichen Implantologie. Sofortimplantationen haben sich in den letzten Jahren als verlässliche Therapiemöglichkeit etabliert. Unter Beachtung einiger wesentlicher Voraussetzungen – wie Erhalt der knöchernen Alveole – ist es möglich, vergleichbare Überlebensraten bei geringer Komplikationsrate zu erzielen. |

Erfolge mit verzögerter oder Sofortimplantation vergleichbar

Die Erfolgsraten sind bei einer Evidence-based-Anwendung hervorragend und stehen der verzögerten oder Spätimplantation in keiner Weise nach, betont Univ. Prof. Dr. Dr. Gabor Tepper, Universitätszahnklinik Wien. Die medizinischen und wirtschaftlichen Vorteile kompensieren die Restrisiken zumeist komplett: Die Knochenresorption wird gehemmt, die Arbeitszeit am Behandlungsstuhl wird stark verkürzt, Kosten werden gespart, die Patientenzufriedenheit steigt und somit deren Bindung an die Praxis. (1)

Nicht jeder Fall für Sofortimplantation geeignet: Checkliste

Dr. Ueli Grunder (Praxis Dres. Grunder und Schneider, Zollikon, Schweiz) stellt seine Entscheidungskriterien für oder gegen Sofortimplantation vor. Mit diesen drei beschriebenen Methoden können 90 Prozent der ästhetisch anspruchsvollen Fälle mit guter Voraussagbarkeit behandelt werden (2):

 

  • Sofortimplantate bei intakten Knochenverhältnissen – vor allem intakte bukkale Knochenwand – nach der Extraktion. Um einen Gewebeverlust zu kompensieren, wird gleichzeitig ein Weichgewebstransplantat eingebracht.

 

  • Verspätete Sofortimplantate acht Wochen nach der Extraktion (abgeheilte Weichgewebe) mit gleichzeitigem Knochenaufbau (GBR). Voraussetzung ist, dass das Implantat ideal in Bezug auf Position und Richtung stabil eingesetzt und eine nicht resorbierbare Membran für die GBR positioniert werden kann. Später wird meist noch ein Weichgewebstransplantat eingebracht.

 

  • Zweizeitiges Vorgehen mit vorangehendem Knochenaufbau in Fällen, in denen ein Implantat nicht ideal in Bezug auf Position und Richtung stabil eingesetzt und eine nicht resorbierbare Membran für die GBR nicht ideal positioniert werden kann.

 

Daten aus Wien von 676 Patienten zeigen, dass sofortige rein implantatgetragene fixe Cross-Arch-Versorgungen auf vier bis sechs Implantaten im Ober- und Unterkiefer gute Ergebnisse liefern. Nach Angaben von a. o. Univ.-Prof. Dr. Georg Mailath-Pokorny (Implantat-Akademie Wien) stehen den mehr als 3.000 gesetzten Implantaten etwa 70 Implantatverluste gegenüber. Die Acht-Jahres-Überlebensrate beträgt 96 Prozent, die Knochenabbauraten liegen bei 1,1 ± 1,3 mm.

 

Aus Patientensicht zeigte sich, dass 66 Prozent der durchgeführten Cross-arch-Versorgungen mit Sofortversorgung und -belastung am dritten Tag vollkommen schmerzfrei waren. Der negative Einfluss dieser Operation auf das tägliche Leben auf einer Zehner-Skala war mit einem Durchschnitt von 1,1 kaum vorhanden. Auf der anderen Seite war die erhöhte Kaukraft und Kaufunktion am selben Tag als optimal eingestuft. 88 Prozent der Patienten würden sich diesem Eingriff nochmals unterziehen. (3)

Knochenumbau und rote Ästhetik

Eine Praxisstudie in Zwickau (MKG-Praxis Hentschel & Herrmann) verglich den vertikalen Knochenumbau um ein einzelnes Bone-Level-Implantat und das ästhetische Ergebnis im Frontzahnbereich des Oberkiefers nach sofortiger oder verzögerter provisorischer Versorgung. Daten von 36 Patienten (Straumann Roxolid SLActive-Bone-Level-Implantat mit einem Durchmesser von 3,3 oder 4,1 mm) zeigen keine signifikanten Unterschiede zwischen der Implantation mit Sofortversorgung und konventioneller verzögerter Belastung hinsichtlich des Knochenverlusts und des ästhetischen Ergebnisses. Zwölf Monate nach Implantation beträgt der Knochenverlust 0,39 mm bei sofortiger Versorgung und 0,24 mm nach konventioneller verzögerter Belastung. (4)

 

Die Papillen spielen eine große Rolle in der ästhetischen Erscheinung des periimplantären Weichgewebes und tragen wesentlich zum Langzeiterfolg eines Einzahlzahnimplantats bei. Bei Sofortimplantaten stellt sich die Frage, ob Schnittführung und Implantatposition das ästhetische Ergebnis dieser Struktur beeinflussen. In einer Fünf-Jahres-Untersuchung der Universität Tübingen zeigten die Papillen von Sofortimplantaten eine Tendenz zur Regeneration. Ein Aufklappen bei Insertion beeinträchtigt das ästhetische Ergebnis der Papillen am Anfang nach Insertion der Krone, die sich jedoch im Verlauf verbessert. Die Verletzung des „Ästhetikfensters“ nach labial zeigte eine Beeinträchtigung der mesialen Papille zu Beginn der Tragezeit. (5)

 

PRAXISHINWEIS von Univ. Prof. Dr. Dr. Gabor Tepper, Universitätszahnklinik Wien: „Die Sofortimplantation mit Sofortbelastung ist heute eine etablierte Methode, die jede implantologisch tätige Praxis in ihr Behandlungskonzept mit großem Erfolg integrieren kann.“ (1)

 

Quellen

  • [1] Tepper G. Risikofaktor Zeit Sofortimplantation und Sofortbelastung – was ist in der zahnärztlichen Praxis sinnvoll und möglich?
  • [2] Grunder U. Fallpräsentationen: Klinische Konzepte Zürich.
  • [3] Mailath-Pokorny G. Fallpräsentationen: Klinische Konzepte Wien.
  • [4] Richter A. Zwischenergebnis zur Untersuchung des Knochenumbaus an einem Ti-Zr Implantat im FZB des OK nach sofortiger oder verzögerter provisorischer Versorgung.
  • [5] Witstruk V. Die Papillen bei Sofortimplantaten – eine Voruntersuchung über 5 Jahre.
  • Alle: 7. Gemeinschaftstagung der DGI/ÖGI/SGI, Wien 26. bis 28. November 2015.

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