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02.11.2017·Sofortimplantation REPLICATE®-System ‒ gute klinische Erfahrungen mit den wurzelanalogen Implantaten

·Sofortimplantation

REPLICATE®-System ‒ gute klinische Erfahrungen mit den wurzelanalogen Implantaten

von Wolfgang Schmid, Schriftleiter des ZR ZahnmedizinReport

| Seit 2013 steht ein wurzelanaloges Dental-Implantat zur Sofortimplantation zur Verfügung. Das REPLICATE®-Implantat wird vor der Extraktion als Kopie der natürlichen Zahnwurzel nach DVT-Bildern individuell gefertigt. Mittlerweile liegen auch mehrere mittelfristige Verlaufsbeobachtungen vor. Obwohl keiner der behandelnden Ärzte viel Erfahrungen mit diesem neuen Verfahren hatte, sind die klinischen Ergebnisse mit denen von Schraubenimplantaten vergleichbar. Auch Ästhetik und Patientenzufriedenheit überzeugen. |

Was ist das REPLICATE®-System?

Das REPLICATE®-System zur sofortigen minimalinvasiven Einzelzahnversorgung besteht aus einem individuell hergestellten wurzelanalogen enossalen Titankörper mit einem fest verschmolzenen keramischen Aufbauteil mit individualisiertem Präparationspfosten. Eine Klebebrücke dient zur temporären Versorgung und zum Schutz der nicht gedeckten Einheilung. Die Konstruktion dieses Hybrid-Implantats erfolgt anhand eines Gebissabdrucks und eines DVT.

 

 

Das obenstehende Foto zeigt ein mehrwurzeliges REPLICATE®-Implantat mit festverbundenem Zirkoniumdioxid-Abutment (Natural Dental Implants AG, Berlin). Es wird vom Hersteller zeitnah vor der Extraktion angefertigt und vom Zahnarzt direkt nach der Extraktion in das angefrischte knöcherne Zahnfach eingesetzt. Die Primärstabilität wird durch Friktion und Vorspannung mit der Alveole gewährleistet. Nach vier bis sechs Monaten kann die temporäre Abdeckung entfernt und der Pfosten des Aufbauteils überkront werden.

 

Das REPLICATE®-Implantat stellt nach Auswertung verschiedener Studien sowohl für den Patienten als auch für den Behandler eine Alternative zu konventionellen schraubenförmigen Titanimplantaten dar. Sowohl die Erfolgsraten als auch die ästhetischen Ergebnisse sind vergleichbar.

Ästhetik und Patientenzufriedenheit

In einer retrospektiven Studie einer Kölner Praxis und der Universität Würzburg wurden 27 REPLICATE®-Implantate (14 ein- und 13 mehrwurzelig) im Ober- und Unterkiefer bei 23 Patienten untersucht. Neun verschiedene Zahnärzte hatten die Implantate gesetzt. Der durchschnittliche Nachbeobachtungszeitraum betrug bis zu 34,7 Monate. Für die Erfolgsraten zeigten sich ‒ je nach verwendeten Erfolgskriterien ‒ Werte zwischen 96 und 100 Prozent. In der ästhetisch kritischen Zone betrug der durchschnittliche kombinierte Ästhetik-Index PES/WES, mit dem Zähne und Zahnfleisch bewertet werden, 18,1 von 20 möglichen Punkten und 16,7 in den ästhetisch weniger kritischen Bereichen. Die subjektive Patientenzufriedenheit wurde mit „zufrieden“ bis „sehr zufrieden“ angegeben. Nur ein Patient war mit der Ästhetik unzufrieden.

 

Gute Überlebensrate auch bei „Erstlingswerken“

In einer weiteren retrospektiven Studie von Patientendaten der Universitäten Würzburg, München und Tübingen wurden die DVTs sämtlicher Patienten, die ein REPLICATE®-Implantat erhalten hatten, überprüft. Nachuntersucht wurden 39 REPLICATE®-Implantate (30 ein- und 9 mehrwurzelige ) in 19 Zentren in 5 Ländern (Deutschland, USA, Niederlande, Belgien, Türkei). 30 Implantate davon wurden in den Oberkiefer inseriert. 16 der 39 Implantationen waren Erstlingswerke mit diesem System.

 

Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum betrug bis zu 37 Monate. Über Infektionen, Periimplantitis oder andere Komplikationen wurde nicht berichtet. Je ein einwurzeliges und ein mehrwurzeliges Implantat osseointegrierten nicht. Die beiden Implantate wurden entfernt und später durch konventionelle Schraubenimplantate ersetzt. Obwohl keiner der behandelnden Ärzte viel Erfahrungen mit diesem neuen Verfahren hatte, sind die Ergebnisse mit denen der Schraubenimplantate vergleichbar: Die Überlebensrate für einwurzelige Implantate beträgt 97 Prozent, für mehrwurzelige Implantate 89 Prozent. Die kumulative Überlebensrate beträgt 95 Prozent.

Erfolgreiche Sofortimplantation

Auch bei einer Studie der Universität Schleswig-Holstein/Lübeck liegt die Erfolgsrate, die sich bislang in der noch laufenden Studie nach 25 Monaten abzeichnete, bei 97,5 Prozent (eine Nachuntersuchungszeit von insgesamt 5 Jahren ist vorgesehen). Der Bereich, der für die Sofortimplantation im klinischen Alltag den Erwartungsrahmen definiert, ist mit 95 Prozent und besser abzuschätzen, schreibt Prof. Dr. Hans-Christian Jacobsen.

 

Das REPLICATE®-System erlaubt laut Prof. Dr. Hans-Christian Jacobsen (Universität Schleswig-Holstein) den Erhalt der Alveole mit bester Unterstützung des Hart- und Weichgewebes. Hierdurch werde die Resorption von Gewebe verhindert und ein exzellentes ästhetisches Ergebnis erreicht. Zur Patientenzufriedenheit trägt bei, dass der chirurgische Eingriff auf einen Termin begrenzt ist und die provisorische prothetische Versorgung direkt im Anschluss an die Extraktion erfolgt.

 

PRAXISHINWEIS | Zielgruppe dieses Implantatsystems sind ‒ neben Implantologen ‒ auch Zahnärzte ohne implantologische Erfahrung und Ausrüstung. Es ist lediglich bei der Extraktion auf ein schonendes Vorgehen zu achten. Die Implantation des REPLICATE® ist handwerklich einfach; es wird kein zusätzliches Instrumentarium benötigt. Durch die Sofortimplantation sind auch keine oralchirurgischen Eingriffe nötig. Insofern ist das REPLICATE®-System in seiner Anwendungsmöglichkeit nicht so sehr als Ersatz für einzelne Schraubimplantate zu sehen, sondern eher als Ersatz für dreigliedrige Brückenkonstruktionen aus der Allgemeinzahnarztpraxis.

 

Quelle

  • Vorträge und Poster auf dem 36. Int. Symposium für Mund-, Kiefer-und Gesichtschirurgen, Oralchirurgen, Zahnärzte und Kieferorthopäden. St. Anton 04.-10.02.2017.

 

Literatur

  • [1] Weissinger C et al. Der REPLICATE™ Zahn: Erste Erfahrungen bezüglich klinischem Erfolg und Ästhetik. 36. Int. Symposium für Mund-, Kiefer-und Gesichtschirurgen, Oralchirurgen, Zahnärzte und Kieferorthopäden. St. Anton 4.-10. Februar 2017.
  • [2] Kauffmann F et al. Ergebnisse einer retrospektiven Multicenterstudie mit einem neuen wurzelanalogen Implantatsystem. ebd.
  • [3] Jacobsen H-C et al. Wurzelanaloge, individuell gestaltete Zahnimplantate für die Sofortversorgung. Erste klinische Ergebnisse mit dem REPLICATE™ System. Lübeck, 2017.