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02.07.2013·Zahnmedizin Periimplantitis-Prophylaxe bei zusammengesetzten Implantaten durch Versiegelung der Innenräume

·Zahnmedizin

Periimplantitis-Prophylaxe bei zusammengesetzten Implantaten durch Versiegelung der Innenräume

von Prof. Dr. Dr. C. U. Fritzemeier, Düsseldorf

| Die Periimplantitis ist in Longitudinalstudien eine der häufigsten Ursachen für Fehlschläge und Verluste. Hier gilt es nun nicht nur therapeutisch einzugreifen, sondern auch nach den Entstehungsmechanismen zu forschen, um durch Prävention die Verlustrate zu minimieren. Mit der Hohlraum- und Spaltversiegelung von zusammengesetzten Implantaten ist prophylaktisch ein großer Fortschritt zur Vermeidung der Periimplantitiden gelungen. |

Einleitung

Definitionsgemäß handelt es sich bei der Periimplantitis zunächst um eine unter Therapie reversible Mukositis des periimplantären Weichgewebes. Bei der eigentlichen manifesten Periimplantitis kommt es – wie es Albrektsson et. al. im Jahre 1994 beschrieben haben – zusätzlich zu einem progressiven Knochenverlust an dem zuvor osseointegrierten Implantat.

 

In der neueren Forschung hat sich nun gezeigt, dass die oben genannten Faktoren nicht immer und ausschließlich für die Ausbildung einer Periimplantitis verantwortlich gemacht werden können. Periimplantäre Erkrankungen sind bereits während der Einheilungsphase zu verzeichnen und führen zu einem Zeitpunkt zu Frühverlusten, zu dem die typischen Ursachen der Periimplantitis noch gar nicht wirksam werden konnten. Es müssen also neben den bekannten pathologischen Einflüssen weitere Faktoren zum Zuge kommen, die das Krankheitsgeschehen auslösen und unterhalten. Hier führen in erster Linie systemimmanente Gegebenheiten zu den Komplikationen. Die funktionslosen Hohl- und Spalträume in mehrteiligen Implantaten sind für die periimplantären Entzündungen verantwortlich zu machen, da sie meistens keiner Reinigung oder Pflege zugänglich sind. Die Keimbesiedelung dieser Räume vollzieht sich während der Implantatinsertion, beim Austausch der Aufbaukomponenten und über Undichtigkeiten zwischen Abutment und Implantat.

 

Die Implantatinnenräume stehen in direkter Verbindung mit der keimbeladenen Mundhöhle, da die Bindegewebsmanschette in dieser Region auch im entzündungsfreien Zustand keine vollkommen dichte Barriere darstellen kann. Eine Hohlraumversiegelung mit einem Material, das bakterizide, fungizide und viruzide Eigenschaften hat, erscheint also sinnvoll – unabhängig davon, ob es nur die immer vorhandenen Hohlräume ausfüllt oder zusätzlich die mehr oder weniger vorhandenen Spalten zwischen den Einzelkomponenten.

Hohlraum- und Spaltproblematik

Bei zusammengesetzten Implantaten ergeben sich herstellungsbedingt Hohlräume im Inneren der Implantate und zwischen den Einzelkomponenten, die sich auch bei sorgfältigster Fertigung nur minimieren, aber nicht verhindern lassen. Die Ausprägung der Implantatinnenräume kann von System zu System sehr unterschiedlich sein. Da den Fertigungsmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind, werden sich auch in Zukunft keine besseren Ergebnisse erzielen lassen.

 

Diese Überlegungen gelten in gleichem Maße für verschraubte Suprastrukturen. Zementierte Suprastrukturen scheinen zwar zunächst durch den Zement abgedichtet zu sein, die Befestigungsmaterialien sind jedoch nicht keimdicht. Neben der Keimkontamination der Implantatinnenräume während des Inserierens oder beim Aufbauwechsel können zusätzlich Keime über die Spalten zwischen Abutment und Implantat eindringen (s. Abb.).

 

 

Keimbelastung der Implantatinnenräume und mögliche Entstehung einer Periimplantitis durch Reinfektion

Bereits beim Inserieren des Implantats wird es zum Einsetzen des Eindrehinstruments eröffnet und die Innenräume werden zwangsläufig mit Blut, Speichel und Keimen kontaminiert. Das Keimwachstum beginnt sofort nach Eindrehen der Verschlussschraube, da die Brutbedingungen – wie Wärme, Feuchtigkeit und Nachschub – in idealer Weise das Keimwachstum ermöglichen. Beim Aufbauwechsel oder durch ständige Mikroleakage wird dieses sensible Gewebe um das Implantat herum ständig infiziert. Im Unterschied zum natürlichen Zahn, bei dem die Fasern des Ligamentum zirkulare zusammen mit der marginalen Gingiva die Abdichtung zwischen Mundhöhle und Alveolarknochen übernehmen, wird dieser Verschlussmechanismus bei einem Implantat nur durch eine straffe Gingivanarbe ermöglicht.

Bisherige Versiegelungsversuche

In der Vergangenheit wurden viele Versuche zur Versiegelung der Implantatinnenräume mit den unterschiedlichen Materialen wie Silikonkautschuk, Zinkoxyd-Eugenol, Vaseline, Paladur®, antibiotikahaltige Salben bzw. Gele und Chlorhexidin® Gel unternommen. Die Materialien haben sich jedoch aus verschiedenen Gründen nicht bei der Innenraumversiegelung bewährt.

Hohlraumversiegelungsmaterial bei zusammengesetzten Implantaten

Anfang 2007 kam das Implantat-Versiegelungsmaterial GapSeal® auf den Markt, nachdem es zuvor zehn Jahre an der Universität Düsseldorf klinisch erprobt wurde. Es handelt sich dabei um eine hochvisköse Silikonmatrix mit einem bakteriziden Zusatz. Das Material weist neben den keimabtötenden Eigenschaften ein hydrophobes Verhalten und ein gutes Standvermögen bezüglich der mechanischen Festigkeit auf. Das visköse Material erleichtert den Austausch bzw. die Erneuerung.

 

Die bakteriziden und fungiziden Eigenschaften sowie die Wirksamkeit gegen Viren verdankt die Versiegelungspaste dem Thymol. Es gehört zu den mikrobiologisch sehr wirksamen, aber für den Menschen weitgehend ungefährlichen Desinfektionsmitteln. In seiner desinfizierenden Wirkung ist es etwa 30-mal wirksamer als Phenol, besitzt jedoch nur ein Viertel von dessen Toxizität. Zudem verursacht es keine Allergien.

 

Bei der klinischen Untersuchung nach der so genannten „Splitmouthtechnik“ (GapSeal® versus weiße Vaseline) stellte sich eine Durchseuchung der Vaseline heraus, wohingegen in den mit GapSeal® versiegelten Implantaten meist kein Keimwachstum nachzuweisen war. Abschließend zeigte sich auch statistisch eine deutliche Reduktion der Periimplantitiden um gut ein Drittel bei den mit GapSeal® versiegelten Implantaten.

 

Es bietet sich an, die Implantatinnenräume von Anfang an – direkt nach dem Inserieren und der Entfernung des Einbring-Instruments mit GapSeal® – zu versiegeln, um diesen, die Periimplantitis induzierenden Faktor der Reinfektion zukünftig auszuschalten. Bei der Wiedereröffnung von Implantaten im Rahmen von Recall-Sitzungen sollte die Ergänzung bzw. die Erneuerung des alten Materials erfolgen.

Ergebnisse, Diskussion und Schlussfolgerungen

Sinnvoll erscheint es, die Ursachen der Periimplantitis zu verhindern, die zu einem großen Prozentsatz in der Reinfektion aus den Hohl- und Spalträumen der Implantate zu suchen sind. Die Möglichkeiten der Keimbesiedelung der Implantatinnenräume durch Mikroleakage oder Biofilm sind durchaus vorhanden und müssen ernst genommen werden. Prinzipiell sollten die immer vorhandenen Implantatinnenräume aus den genannten Gründen nicht unversorgt bleiben, da ein Implantat auch bei sorgfältigster Chirurgie nie so steril inseriert werden kann, dass die Hohlräume keimfrei bleiben.

 

Keywords zum Beitrag: Periimplantitis, Periimplantitisprophylaxe, Reinfektion, Implantatinnenräume, zusammengesetzte Implantate, Hohlraumbesiedelung, Versiegelung, Mikrospalt, GapSeal®

 

Literaturverzeichnis: 

1. Albrektsson, T., Isidor, F.: Consensus report of session IV. In: Lang, N. P., Karring, T. (Hrsg). Proceedings of 1st European Workshop on Periodontology. London: Quintessence Publishing Co., Ltd. 1994 (365 -369)

2. Fritzemeier, C. U.: Vermeidung von Periimplantitis: Prophylaxe bei

zusammengesetzten Implantaten. Oralchirurgie Journal 2, 2008 (22-28)

3. Günay, H. und Mitarb.: Periimplantäre Infektionen. Quintessenz 57, 2008 (1355-1369)

4. Quirynen, M., van Steenberghe, D.: Bacterial colonisation of the internal part of twostage implants. An in vivo study. Clin Oral Impl Res 1993, 4 (158-161)

5. Besimo, Ch. E.: Biologische Relevanz der Verbindungsstelle Implantat und

Suprastruktur. 7. Deut ITI Kongress 2008

6. Kern, M.: Übergang zwischen Implantat und Aufbauelement aus prothetischer Sicht. 7. Deut ITI Kongress 2008

7. Ibrahim, Z. und Mitarb.: Mikroleakage der Implantatkomponenten. ZWR, 117, 2008(648-652)

8. Schmüdderich, W.: Entwicklung eines Materials für die Versiegelung von

Implantatinnenräumen zur Prophylaxe bakterieller Kontamination. Diss. Med. Dent.