SARS-COV-2 / Covid-19 – Risikomanagement in Zahnarztpraxen

 
1.Anamnese vor jeder Behandlung

Die Terminvereinbarung (mit Ausnahme von Notfällen) sollte telefonisch erfolgen. Dabei ist das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu erfragen. Kriterien, aus denen ein Verdacht einer Infektion abgeleitet werden kann:

  • Sind Sie an COVID-19 erkrankt oder wurde bei Ihnen im Abstrich das SARS-CoV-2 nachgewiesen?
  • Befinden Sie sich in einer vom Gesundheitsamt angewiesenen Quarant√§ne?
  • Befindet sich im Haushalt (im Alten- oder Pflegeheim) eine Ihnen bekannte Person in Quarant√§ne?
  • Haben Sie Symptome einer Erk√§ltungskrankheit (Husten, Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, Atemnot) oder Durchfall?
  • Haben Sie akute Probleme beim Schmecken oder Riechen?
2. Routinemäßige Behandlung von Patienten ohne COVID-19 (Verdacht oder Nachweis)

Die Übertragung von Viren durch anamnestisch unauffällige, symptomlos erkrankte Patienten kann durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen verhindert werden.

  1. Chirurgischer Mund- Nasenschutz, Schutzbrille und Schutzhandschuhe sind die Standardausr√ľstung des Zahnarztes und der ZFA bei jeder Behandlung. Die zus√§tzliche Verwendung von Visieren kann die Sicherheit weiter erh√∂hen. Der Mund- Nasenschutz wird sp√§testens nach 4 Stunden gewechselt. In Pausen kann er trocken aufbewahrt werden.
  2. Bei allen Patienten sollte vor einer Behandlung unter Einsatz wassergek√ľhlter √úbertragungsinstrumente eine antimikrobielle Mundsp√ľlung erfolgen.
  3. Die √ľbrigen Hygienema√ünahmen entsprechend Hygieneplan sind konsequent umzusetzen.
3.Behandlung von Patienten mit COVID-19 (aus Anamnese begr√ľndeter Verdacht oder Nachweis)

Die Notfallversorgung von infizierten und unter Quarant√§ne stehenden Patienten soll vorzugsweise in den eigens benannten Kliniken oder Schwerpunktpraxen erfolgen. Sind unaufschiebbare zahn√§rztliche Behandlungen in der zahn√§rztlichen Praxis erforderlich, sind √ľber die Hygienema√ünahmen aus dem Hygieneplan hinaus weitere Vorsichtsma√ünahmen zu treffen.

  1. Räumliche oder organisatorische Trennung der an Covid-19 erkrankten Patienten von den Patienten der Normalsprechstunde.
  2. Vor Betreten der Praxis legt der Patient einen Mund- Nasen- Schutz (chirurgisch oder textil) an und er desinfiziert sich die H√§nde. Er wird sofort in das Behandlungszimmer gef√ľhrt. Er legt den MNS erst unmittelbar vor der Behandlung ab.
  3. Vor der Behandlung ist die Mundh√∂hle des Patienten mit einer antiviralen L√∂sung zu sp√ľlen. Gegenw√§rtig k√∂nnen dazu L√∂sungen auf der Basis von Octenidin, PVP-Iod oder H2O2 empfohlen werden, auch wenn es daf√ľr bisher keine wissenschaftliche Evidenz gibt.
  4. Die besondere (zusätzliche) Schutzkleidung des Teams besteht aus einem Schutzkittel. Chirurgischer Mund- Nasen- Schutz, Visier sowie Schutzhandschuhe gehören zur Standardhygiene.
  5. Auf Aerosol-produzierende Behandlungsma√ünahmen sollte m√∂glichst verzichtet werden. Dies erreicht man durch einen weitgehenden Verzicht auf Ultraschallhandst√ľcke, Turbinen, Pulverstrahlger√§te und piezochirurgische Ger√§te.
  6. Ist ein Einsatz wassergek√ľhlter √úbertragungsinstrumente notwendig, muss das Team an Stelle des chirurgischen Mund- Nasen- Schutzes eine FFP2/3 – Maske tragen. Kofferdam ist empfehlenswert. Auf eine effiziente Spr√ľhnebelabsaugung ist zu achten.
  7. Nach der Behandlung und vor Ablegen der Schutzkleidung erfolgt eine Desinfektion der Schutzhandschuhe. Nach Ablegen der Schutzhandschuhe sind die Hände zu desinfizieren.
  8. Bei der Hände-, Instrumenten- und Flächendesinfektion, der Wäscheaufbereitung sowie der Abfallentsorgung sind keine Abweichungen vom routinemäßigen Verfahren erforderlich.
4. Gesundheitscheck bei Mitarbeitern der Praxis

Bei Auftreten respiratorischer Symptomatik (Husten, Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, Atemnot) oder Durchfall sowie akuten Problemen beim Schmecken oder Riechen sollte das Gesundheitsamt kontaktiert werden und ein Abstrich zum Ausschluss von SARS-CoV-2 erfolgen.


DAHZ-Redaktionsausschuss 19.04.2020 / Prof. Dr. Jatzwauk

http://dahz.org/wp-content/uploads/2020/04/DAHZ-Stellungnahme-Corona-20.04.2020.pdf

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