01.07.2014·Abrechnung Zahntechnik: Wie kann man Kostenvoranschläge verschiedener Dentallabore vergleichen?

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Zahntechnik: Wie kann man Kostenvoranschläge verschiedener Dentallabore vergleichen?

| Für eine implantat-prothetische Versorgung sollen Kostenvoranschläge eingeholt werden. Obwohl zwei Dentallaboren telefonisch dieselben Eckdaten mitgeteilt wurden, erhält die Zahnarztpraxis zwei unterschiedliche Angebote. Wie kann man sie vergleichen? Welche Detailangaben benötigt das Dentallabor, um reale Behandlungsunterlagen zu erstellen? In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen anhand von zwei Angeboten, wie schnell Differenzen entstehen und wie man sie vermeiden kann. |

Der Behandlungsfall

Befund: 15-18, 47-48 Freiendsituation; 17 und 47 werden nicht versorgt. Therapie: 15, 16 Implantate, Einzelkronen. Festzuschuss: 1 x 3.1 andersartige Versorgung. Anlage zum BEMA-HKP: 1 x 0060, 1 x 5170, 2 x 2200. Privater Therapieplan: 1 x 0030, 1 x 1000, 2 x 1010, 26 x 1040, 6 x 9050, 1 x § 6 Abs. 1 GOZ für Planung und Anprobe Bohrschablone.

 

Die Rezeptionsmitarbeiterin erhält den Auftrag, bei zwei zahntechnischen Betrieben Angebote für zwei NEM-Kronen auf Implantat mit Vollverblendung für einen Kassenpatienten einzuholen.

 

  • Kostenvoranschlag von Dentallabor A
Nummer
Menge
Bezeichnung
Einzelpreis/Euro
Material/Euro
Leistung/Euro

0001

1

Modell

8,33

8,33

0005

1

Modell aus Spezialmasse/Implantatmodell

30,13

30,13

0008

1

Modell für individuellen Löffel und Bissnahme

10,42

10,42

0021

1

Modell für Sägesegmente

22,29

22,29

0026

1

Modell nach Funktionsabdruck

10,42

10,42

0103

2

Modellsegment sägen

3,44

6,88

0223

2

Zahnfleischmaske, abnehmbar

19,37

38,74

0224

2

Modellimplantat repositionieren

9,13

18,26

0241

1

Dublieren eines Modells oder Modellteils

13,41

13,41

0253

1

Split-Cast Sockel an Modell

17,00

17,00

0302

1

Modell vermessen

7,39

7,39

0402

1

Modellmontage in Mittelwertartikulator I

11,34

11,34

0408

1

Montage eines Gegenkiefermodells

9,07

9,07

0701

6

Versand je Versandgang

7,83

46,98

1006

1

Individueller Löffel aus Kunststoff

26,20

26,20

1500

1

Bohrschablone für Implantate

129,19

129,19

2124

2

Krone für Keramikverblendung gegossen

87,62

175,24

2612

2

Vollverblendung Keramik Premium

106,06

212,12

2972

2

Aufwand zu Suprastruktur bei verschraubbarem Implantataufbau

74,37

148,74

2973

2

Bearbeiten eines Implantatkopfes

18,71

37,42

9700

2

Verarbeitungsaufwand NEM-Legierung

11,75

23,50

ISKM

2

Materialpauschale für Einzelkrone zementiert

240,00

480,00

Legierungen 0,00

Zähne 0,00

Summe Material

480,00

Sonst. Material 480,00

Summe Leistungen

1.003,07

Gesamtsumme

+ 7 % MwSt.

1.483,07

103,81

Endbetrag

1.586,88

 

 

  • Kostenvoranschlag von Dentallabor B
Nummer
Menge
Bezeichnung
Einzelpreis/Euro
Material/Euro
Leistung/Euro

0001

1

Modell aus Hartgips

7,60

7,60

0002

1

Modell aus Superhartgips

10,80

10,80

1109

1

Individueller Löffel nach Implantatversorgung

28,00

28,00

1110

2

Mehrkosten offene Abformung, je Implantat

3,50

7,00

1111

2

Übertragungsschlüssel Kst, je Implantat

3,50

7,00

0003

1

Meistermodell

39,90

39,90

0222

1

Modellergänzung aus Kunststoff

12,21

12,21

0221

2

Hilfsteil in Abdruck platzieren

12,00

24,00

0223

2

Zahnfleischmaske

23,00

46,00

0402

1

Montage eines Modellpaares im Mittelwert

9,50

9,50

1902

2

Aufwand bei Suprakonstr. Implantat, je Pfeiler

87,95

175,90

2106

2

Krone für Keramikverblendung

80,00

160,00

2702

2

Mehrflächige Verblendung Keramik

88,00

176,00

0701

4

Versand je Versandgang

5,50

22,00

0702

1

Sonderversand oder Fahrtkosten

10,51

10,51

7012

1

048.606 WNsyn Octa Zement Sek.Teil

112,20

112,20

7013

1

048.243 WNsyn Octa Kst.Kappe

28,00

28,00

7019

1

048.010 RNsyn Octa Abformkappe, verschraubt

42,00

42,00

7021

1

048.171 WNsyn Octa Manipulierimplantat

38,00

38,00

0700

2

Verarbeitung NEM

11,57

11,57

23,14

Legierungen 0,00

Zähne 0,00

Summe Material

220,20

Sonst. Material 220,20

Summe Leistungen

759,56

Gesamtsumme

+ 7 % MwSt.

979,76

68,58

Endbetrag

1.048,34

 

Die Unterschiede bei den Kostenvoranschlägen

Die Kostendifferenz der Angebote beträgt 500 Euro brutto. Es soll daher geprüft werden, was zur Differenz geführt hat. Die Preiskalkulation der Einzelposten und die Leistungsinhalte einer Position obliegen dem Laborinhaber. Dies gilt auch für die Fertigungsschritte, die oft als Komplexleistung in einer Ziffer enthalten sind.

 

1. Der Kostenvoranschlag von Labor A

Die Modelle werden je nach Verwendungszweck in Einzelpositionen dargestellt, was korrekt ist. Dabei fällt jedoch auf, dass für die Herstellung von zwei Einzelkronen kein Modell nach Funktionsabdruck erforderlich ist und ein Sägemodell mit Sägeschnitten bei Suprakonstruktionen nicht immer benötigt wird. Eine Modellvermessung nach BEB 0302 ist hingegen bei der Ermittlung der Achsenstellung von Zahn oder Implantat erforderlich. Funktionsanalytische Leistungen sind in der Praxis nicht vorgesehen, daher ist die Montage eines Gegenkiefermodells nach BEB 0408 zu hinterfragen.

 

Aus der Materialpauschale ist nicht zu entnehmen, welches Implantatsystem vorgesehen ist. Das ist im Rahmen einer Kostenplanung nicht ungewöhnlich, da selbst die Zahnarztpraxis im Vorfeld einer Implantation meist noch keine exakten Daten kennt. Insbesondere bei Kooperation mit einem Implantologen, der mehrere Implantatsysteme verwendet, ist eine detaillierte Angabe (fast) nicht möglich. Im Dentallabor wird somit eine Materialpauschale aus Erfahrungswerten angesetzt. Erst bei Rechnungslegung werden die Einzelposten gelistet.

 

2. Der Kostenvoranschlag von Labor B

Die Leistungspositionen sind übersichtlich aufgeführt. Hier sind weniger Modelle enthalten, jedoch fehlt die Bohrschablone mit flankierenden Leistungen. Für die Übertragung der Implantataufbauten vom Modell in die Mundsituation wird oftmals ein Übertragungsschlüssel benötigt. Dieser Schlüssel wird über dem Implantataufbau – meist aus Pattern Resin – gefertigt und erlaubt die Entnahme und Übertragung des Implantataufbaus in gleicher Ausrichtung wie im Modell platziert in das Implantat des Patienten. Diese Leistung ist bei Labor A nicht erfasst.

 

Der Mehraufwand bei Implantatarbeiten ist in beiden Betrieben für eine verschraubbare Konstruktion vorgesehen, allerdings passt diese Leistung nicht zum abgebildeten Implantataufbau für die Krone. Der benannte Implantataufbau kann nur für zementierbare Implantatkronen verarbeitet werden. Zudem hat das Labor die Materialien nur für ein Implantat erfasst, sodass allein bei dem Materialposten 220 Euro netto zu wenig enthalten sind.

Vergleich der beiden Kostenvoranschläge ist aufwendig

Ein Vergleich ist in der Tat nicht einfach, da die Materialien im Labor A nicht benannt und bei Labor B nur für die Versorgung von einem Implantat enthaltensind. Beim Vergleich der Einzelposten fällt jedoch auf, dass bei Labor B sowohl die Kosten für die Bohrschablone als auch für die Implantat-Materialien nicht stimmig sind. Für beide Posten fehlen hier rund 410 Euro brutto. Im Bereich der flankierenden Leistungen bestehen nur kleinere Unterschiede.

Basisdaten zur Erstellung stimmiger Kostenvoranschläge

Um einen relativ exakten Kostenvoranschlag erstellen zu können, benötigt das Dentallabor im Rahmen der hier vorgesehenen Implantatkronen möglichst die folgenden Detailangaben, am besten schriftlich per Fax oder E-Mail:

 

  • Versicherungsstatus des Patienten?
  • Zahnfarbe in der Praxis bestimmen?
  • Zahnfarbe im Labor bestimmen?
  • 01-Befund
  • Planungssymbole
  • Bei Kassenpatienten: Regel-, gleich- oder andersartige Versorgung?
  • Bei Kassenpatienten: Besteht gegebenenfalls ein Ausnahmefall nach der ZE-Richtlinie 36a?
  • Individueller Löffel mit/ohne Perforation für Implantatabformung?
  • Funktionsanalytische Leistungen vorgesehen, und wenn ja welche?
  • Ausformung Weichgewebe mit individuellem Gingivaformer oder Langzeitprovisorium?
  • Verblendungsart (vestibulär gegebenenfalls inklusive Schneidekante in der Front oder vollkeramisch)?
  • Herstellungsverfahren: Krone in Guss-, Fräs- oder Sintertechnik?
  • Bei Goldgerüst: Legierungsart?
  • Bei Zirkonkrone: Welches exakte Material? Gefräst oder gepresst?
  • Bei Zirkonkrone: Gerüst (Käppchen) aus Zirkon mit Verblendung oder vollanatomische Zirkonkrone mit Maltechnik?
  • Implantathersteller?
  • Lot-Nummer des Implantats?
  • Implantatkrone zum Zementieren oder verschrauben?
  • Implantataufbau konfektioniert oder individuell gefräst?
  • Praxis-Abformelemente für die Implantate mitbestellen?
  • Implantatteile: Originale oder Nachahmerprodukte?
  • Bohrschablone?
  • Garantieverlängerung prüfen (in der Kalkulation berücksichtigen)

 

FAZIT | Vergleichbare Kostenvoranschläge können nur nach detaillierten Angaben zu den Werkstücken erstellt werden. Problematisch bleibt für Zahnarztpraxis und Dentallabor, dass die Behandlungsunterlagen meist zu einem Zeitpunkt erstellt werden müssen, zu dem die Implantatversorgung noch nicht erfolgt ist. Sind weder Implantatsystem geschweige denn die Zubehörteile absehbar, wird das Labor aus Gründen der Kostensicherheit ein hochwertiges Implantatsystem für den Ansatz der Materialkosten wählen und immer von einer verschraubbaren Variante ausgehen. Besonderheiten wie individuelle Gingivaformer, Langzeitprovisorien und die exakten Materialkosten lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehen und müssen später bei Bedarf im Rahmen eines überarbeiteten Kostenvoranschlages erfasst werden. Eine Kooperation zwischen Implantologen, Zahnarzt und Dentallabor ist von großem Vorteil!

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