Kaltes Plasma in der Oralchirurgie – eine Übersicht

Die im Oktober 2026 im European Journal of Oral Sciences veröffentlichte Übersichtsarbeit von Papadimitriou und Glindemann untersucht Cold Atmospheric Plasma (CAP) als perioperatives Hilfsmittel in der Oralchirurgie.

Das kalte atmosphärische Plasma ist ein nicht-thermisches ionisiertes Gas, das reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies (RONS) erzeugt. Es operiert bei biologisch verträglichen Temperaturen (< 40 °C) direkt am Gewebe.

Die Literaturübersicht untersuchtin drei zentrale chirurgische Anwendungen:

1. Präoperative Oberflächenaktivierung von Titanoberflächen

  • CAP modifiziert die Oberflächenchemie von Titanimplantaten, erhöht die Hydrophilie (erhöhte Benetzbarkeit) und senkt den Kontaktwinkel drastisch. In-vitro– und Tierversuche zeigen eine signifikant beschleunigte Anheftung von Osteoblasten sowie eine verbesserte Osseointegration.
  • Erste klinische Humanstudien berichten über eine optimierte Implantatstabilität, gemessen anhand von Surrogatendpunkten.

2. Intraoperative Dekontamination

  • Die erzeugten reaktive vSauerstoff- und Stickstoffmoleküle führen zur Oxidation von mikrobiellen Membranen und DNA, wodurch selbst resistente orale Biofilme mechanisch geschwächt und zerstört werden. Getestet in der Periimplantitis-Therapie, der Parodontalchirurgie sowie bei endodontischen Eingriffen (Wurzelkanaldesinfektion).
  • Obwohl CAP parodontale Erreger (wie Porphyromonas gingivalis) in vitro hocheffizient inaktiviert, schneidet es in Studien nicht konsistent besser ab als klassische Spüllösungen wie Natriumhypochlorit (NaOCl). Zudem fehlen für die intraoperative Anwendung bislang valide chirurgische Studien.

3. Postoperatives Weichgewebsmanagement und Heilung

  • CAP fördert die Geweberegeneration, indem es die Proliferation und Migration von humanen gingivalen Fibroblasten stimuliert, die Angiogenese anregt und entzündliche Zytokine reguliert.
  • Bei der Anwendung als Ergänzung zum Scaling und Root Planing (SRP) zeigten sich klinische Verbesserungen beim Attachmentlevel (CAL) und eine beschleunigte Wundheilung. Die thermische Belastung ist minimal (< 7 °C), was eine hohe biologische Verträglichkeit ohne Gewebeschäden garantiert.

Papadimitriou I, Glindemann S. Cold atmospheric plasma as a perioperative adjunct in oral surgery: A narrative review of surface activation, decontamination and soft-tissue healing. Eur J Oral Sci. 2026;e70161. https://doi.org/10.1111/eos.70161

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